Inclusion Interview Settings
Mit dem Erst- oder Folgegespräch zur Datenerhebung für das «Coaching Concept» beginnt bereits die Inklusion.
Im Inclusion Enable System (ies) ist das Inklusionsgespräch (Anamnese-Gespräch) keine bloße Abfrage von Daten, sondern bereits die erste pädagogische Intervention. Die Qualität der Daten, die später zum «Coaching Concept» (Pädagogisches Konzept) führen, hängt zu 100 % von der Qualität dieses Gesprächs ab.
Wenn der Antwortgeber sich wie in einem «Verhör» fühlt, erhalten wir angepasste Antworten. Wenn er sich «gesehen» fühlt, erhalten wir die Wahrheit – und damit den Schlüssel zur Inklusion.
Hier ist der Leitfaden für das Inklusionsgespräch, gegliedert nach Raum, Kommunikation und Pädagogik.
1. Das Physische Setting: Resonanz-Raum
Vermeide die klassische «Amts-Atmosphäre». Wir wollen keinen Verhörraum, sondern einen «Safe Space», der Sicherheit signalisiert und gibt.
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Führen Sie das Gespräch idealerweise an einem neutralen Ort (ruhige Ecke im Café, Parkbank) oder im Lebensraum des Menschen, der die Antworten gibt.
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Vermeidung: Sterile Büros mit Schreibtisch-Barriere. Der Schreibtisch ist ein Symbol der Macht.
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Setzen Sie sich niemals frontal gegenüber (Konfrontation).
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Nutzen Sie eine Über-Eck-Position an einem Tisch oder einem runden Tisch. Das signalisiert Partnerschaft («Wir schauen gemeinsam auf das Thema»). Zudem erlaubt es dem Klienten, den Blickkontakt zu unterbrechen (ins Leere zu schauen), ohne den Kopf wegdrehen zu müssen.
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Neurodiverse Menschen (z.B. Autismus-Spektrum) können oft nicht filtern. Laufende Radios, flackerndes Neonlicht oder Durchgangsverkehr kosten Energie, die für das Gespräch fehlt. Sorgen Sie aktiv für Reizarmut.
2. Pädagogische Maßnahmen: systemische Entflechtung
Oft sind Angehörige (Eltern, Partner) dabei. Das ist hilfreich, aber gefährlich («Symbiotische Erstarrung»). Angehörige neigen dazu, für den Klienten zu antworten («Er meint eigentlich ...»).
Klären Sie vorher: «Heute ist [Name des Menschen, der befragt wird] der Chef. Ich möchte seine Sicht hören. Auch wenn sie vielleicht nicht ganz ‹richtig› ist oder lange dauert.»
Wenn Angehörige ständig unterbrechen oder korrigieren, geben Sie ihnen Stift und Papier: «Bitte schreiben Sie den Gedanken auf den Parkplatz-Zettel. Wir besprechen Ihre Sicht am Ende.» So fühlen sie sich gehört, stören aber nicht den Empowerment-Prozess.
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Erlauben Sie «negative» oder «unrealistische» Antworten. Wenn der Klient sagt «Ich will Pilot werden» oder «Ich wasche mich nicht gern», werten Sie das nicht ab.
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Das sind wertvolle Ressourcen (Interesse an Technik/Freiheit) oder wichtige Barrieren. Korrigieren Sie nicht, sondern notieren Sie es.
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3. Kommunikative Maßnahmen: Rückübersetzung
Dein Ziel ist der O-Ton (Originalton). Wir brauchen die authentische Sprache der Klientin oder des Klienten, keine pädagogisch gefilterten Zusammenfassungen.
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Viele Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen haben eine längere Verarbeitungszeit (Latenz).
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Stelle eine Frage und warte. Zähle innerlich bis 10. Unterbrich das Schweigen nicht. Schweigen ist keine Leere, es ist Arbeit.
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Wenn auf eine offene Frage («Was sind deine Stärken?») nichts kommt, bieten Sie ein Gerüst an (vom Offenen zum Geschlossenen):
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Stufe (Offen): «Was machst du in deiner Freizeit?» (Keine Antwort ...)
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Stufe (Auswahl): «Bist du lieber drinnen oder draußen?»
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Stufe (Ja/Nein): «Magst du Musik?»
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Wenn der Klient unrealistische Ziele nennt, fragen Sie nach dem Warum:
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Frage: «Was gefällt dir am Fliegen?»
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Antwort: «Die Freiheit.»
Das ist der Wert, den wir suchen.
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4. Übersetzungshilfe für den Interviewer
Nutze diese Formulierungen, um die Fragen im Gespräch natürlich wirken zu lassen:
Standardfragen (bürokratisch) | Empfohlene Fragestellung (Resonanz) |
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Wir müssen jetzt die Anamnese machen. | Lass uns mal schauen, wie dein perfekter Alltag aussehen könnte. |
Haben Sie Probleme bei der Körperpflege? | Wenn du dich morgens fertig machst – was nervt dich dabei am meisten? Wo hättest du gerne mehr Ruhe? |
Wie ist Ihre Mobilität? | Wie kommst du am liebsten von A nach B? Wo fühlst du dich unsicher? |
Sind Sie kognitiv eingeschränkt? | Gibt es Dinge, die dir beim Lernen schwerfallen? Wann raucht dir der Kopf? |
Welche Ressourcen haben Sie? | Wobei vergisst du die Zeit? Was kannst du richtig gut? |
Das Ziel des Settings: Nach dem Gespräch soll der Klient nicht denken:
«Die haben mich ausgefragt», sondern: «Die haben mich gesehen.»