Von Barrieren, Brücken und dem Mut, Talente zu sehen
- SPIA Redaktion

- vor 2 Tagen
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Inklusion sucht Talente, wo das System nur Barrieren sieht. Inspiriert von Christophs Weg bei SPECIAL PEOPLE, startete Sabrina jetzt ihren Schnuppermonat. Ein Plädoyer für eine Arbeitswelt, die im Zeitalter der KI den Menschen über den Profit stellt und echte Teilhabe ermöglicht.
Rückblickend war es die Geschichte von Christoph, die den Stein ins Rollen brachte. Als er vor einigen Monaten zur SPECIAL PEOPLE Inclusion Association kam, trug er schwer an den Erfahrungen der Vergangenheit. Der erste Arbeitsmarkt war ihm mit Mobbing, Ignoranz und einer völligen Fehlbesetzung seiner Talente begegnet – Wunden, die ihn noch lange Zeit im Arbeitsalltag triggerten. Gemeinsam mit Christoph zu lernen, wie Inklusion wirklich gelingen kann, war für die Organisation der SPECIAL PEOPLE Inclusion Association eine ebenso intensive Reise wie für ihn selbst.
«Wir erleben eine Revolution unserer mentalen Fähigkeiten. Technologie ermöglicht es Menschen, Aufgaben mit höherer Qualität zu erledigen, statt Berufe zu ersetzen.» Erik Brynjolfsson, Ökonom Stanford University
Genau aus dieser Erfahrung heraus entstand die Offenheit für ein neues Kapitel. In einem ersten Kennenlernen mit Karin Kiefer vom Verein «Bicycle» stand zunächst der Austausch über solche Entwicklungswege im Zentrum. Dabei erfuhren die Beteiligten von Sabrina. Sie besetzt bei «Bicycle» derzeit einen Transferarbeitsplatz, der in wenigen Monaten ausläuft – eine Situation, die viele Menschen mit Behinderung kennen:
Das ständige Leben auf Zeit, das Hoffen auf eine echte Chance.
Getragen von den Lehren aus Christophs Einstieg fiel die Entscheidung: Sabrina soll die Möglichkeit erhalten, im Rahmen eines «Schnuppermonats» ihre Talente im Organisationsbüro zu ergründen. Ihr erster Tag war von Gemeinschaft geprägt. An der Seite von Christoph und Zahra lernte sie nicht nur Strukturen kennen, sondern wurde Teil eines Teams, das Arbeit nicht über Defizite definiert.

Wirtschaftliche Kalkulation ist auch für soziale Organisationen eine Realität. Doch das Ziel ist hier ein anderes: Es geht nicht um die Maximierung von Profiten, sondern darum, welchen wertvollen Beitrag Sabrina leisten kann, um die Organisation noch besser und menschlicher zu gestalten. Dass sie dafür Unterstützung aus dem Sozialsystem benötigt, ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist das Resultat eines weit verbreiteten Missstands.
«Jede Arbeit ist wichtig, auch die kleinste. Jeder soll mitwirken zum Wohle des Ganzen.» Robert Bosch, Industrieller und Gründer der Robert Bosch GmbH
Viel zu lange wurde ignoriert, dass Menschen mit Behinderung ein integraler Teil der Arbeitswelt sein wollen und müssen. Fehlende Bildungschancen und Barrieren in der Kommunikation sind nicht die Schuld von Menschen wie Sabrina – sie sind das Ergebnis eines Systems, das Teilhabe nie konsequent zu Ende gedacht hat.
Die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz führt uns heute vor Augen, dass wir alle vor einer ähnlichen Herausforderung stehen. Im direkten Vergleich mit der Rechenkraft einer KI verfügen wir alle über zu wenig Potenzial, um schneller oder effizienter zu sein. Das zwingt uns zum Umdenken: Arbeit darf nicht länger nur als produktionssteigernde Leistung für die Wirtschaft begriffen werden.
Internationale Vordenker wie der Ökonom Erik Brynjolfsson betonen, dass in einer automatisierten Welt der wahre Wert in der menschlichen Einzigartigkeit liegt – in Empathie, Kreativität und dem sozialen Zusammenhalt. Wenn die KI die Routine übernimmt, wird Inklusion zur Kernkompetenz einer Gesellschaft, die verstanden hat, dass jeder Beitrag zählt.
Begleitet Sabrinas Weg durch diesen Monat
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